Woche der Diakonie 2011

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Jahresthema-Motiv: Engagiert und aktiv ein Leben lang

Dieter Otto ist das Gesicht zum aktuellen Jahresthema der Diakonie „Altern in der Mitte der Gesellschaft“, angelehnt an das EU-Jahr für aktives Altern. Auf Flyern und in Publikationen steht der 78-jährige Berliner – freundlich lächelnd – stellvertretend für die vielen Senioren, die sich bis ins hohe Alter engagieren, etwa in ihrer Nachbarschaft oder bei der Diakonie. Dieter Otto selbst ist als Zeitzeuge in der Berliner Zwinglikirche aktiv.

Taufe, Einschulungsgottesdienst, Konfirmation, Hochzeit – die Liste der Lebensereignisse von Dieter Otto in der Berliner Zwinglikirche, ist lang – und reicht bis in die Gegenwart. „Mein Leben ist verwachsen mit der Zwinglikirche“, sagt der 78-Jährige, „Sie ist meine zweite Heimat“. Der bärtige Mann mit Brille und sympathischem Lächeln, der unlängst Modell stand für das Diakonie-Jahresthema, räuspert sich an dieser Stelle.

„Genau genommen müsste ich von der ehemaligen Zwinglikirche sprechen“, fügt er hinzu. Denn die Kirche direkt am Rudolfplatz, wo Dieter Otto 1933 vis-à-vis geboren und aufgewachsen ist, wird heute nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt. Schon mehrmals hat das eindrucksvolle Baudenkmal im Stadtteil Friedrichshain solche Auszeiten erlebt, zum Beispiel von 1982 bis 1993, wo es als Bücherlager an die Staatsbibliothek verpachtet war.  

„Ich freue mich, wenn mein Wissen gefragt ist“  

„Ich war tottraurig, als 1997 der letzte Gottesdienst in der Kirche stattfand“, sagt Dieter Otto. Mehr als 30 Jahre lang war er im Gemeindekirchenrat tätig. Aber ein „gesellschaftlicher Ort“ sei das Bauwerk ja weiterhin. 2007 gründete sich der Verein „KulturRaum Zwingli-Kirche“ als Forum für Kunst, Kultur und Geschichte. Hier engagiert sich auch der pensionierte Bauingenieur. Als Zeitzeuge und kompetenter Ortsführer widmet er sich vor allem der Historie der Kirche, 1908 erbaut. Angesichts ihrer Lage nahe der Oberbaumbrücke und der East Side Gallery im Grenzgebiet zwischen West- und Ostberlin gibt es viel zu erzählen.

Gerade jüngere Generationen interessiere die lebhafte Geschichte, konstatiert Dieter Otto. „Ich freue mich, wenn mein Wissen gefragt ist und ich weiterhelfen kann.“ So hat der Verein engen Kontakt zur benachbarten Schule. Beispielsweise stand Dieter Otto Rede und Antwort zur Situation der Christen in der DDR oder aber er unterstützte Schüler beim Fotografieren von Details der Zwinglikirche für den Kunst-Unterricht. Auch stand er Studenten zu Seite, die für ihre Abschlussprüfung an der Berliner Medienakademie einen Dokumentarfilm über die Zwinglikirche gedreht haben. Vor kurzem half er Studenten der Technischen Hochschule bei ihren umfangreichen Zustandsanalysen am Kirchengebäude.  

„Ich weiß etwas mit mir anzufangen“  

Ob die Zwinglikirche eines Tages wieder Kirche sein wird? Es besteht noch Hoffnung. Dieter Otto: „Die diesjährigen Konfirmanden der jetzigen Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau würden gern in der Zwinglikirche konfirmiert werden, habe ich gehört“. Da tun sich Parallelen zu seinem eigenen Leben auf: „Wir wollten damals auch unbedingt in der Zwinglikirche konfirmiert werden. Unser Pfarrer sagte schließlich zu, unter der Bedingung, dass wir die Kirche sauber machen. Denn zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche von den Russen als Pferdestall genutzt“, erinnert sich Dieter Otto und lacht dabei. Mit vollem Eifer machten sich die Konfirmanden damals ans Werk, so dass sie wirklich in ihrer geliebten Zwinglikirche den großen Moment erleben konnten.

Pragmatisch sieht er auch das Älterwerden: „Solange ich gesund bin und mit mir etwas anzufangen weiß, ist alles gut“. Dass sich manche Menschen im Alter beschweren, weil sie nichts mehr zu tun hätten, ist für Dieter Otto unvorstellbar. Für den vierfachen Großvater könnte der Tag gut noch ein paar Stunden mehr haben. In seinem Arbeitszimmer stapeln sich die Akten mit Foto-Dokumentationen über große Bauprojekte in Berlin, die er vom ersten Spatenstich an fotografisch festgehalten hat. Zurzeit ist der pensionierte Bauingenieur dabei, einen Vortrag über den neuen Bahnhof Ostkreuz vorzubereiten. An die 3.000 Fotos hat er von der Großbaustelle in der Nähe der Zwinglikirche gemacht. Die Bauarbeiten sollen 2016 abgeschlossen sein. „Ich will das noch erleben“, sagt Dieter Otto und lächelt. „Ich habe noch viel vor“.  

Bauingenieur, Zeitzeuge – und jetzt Foto-Modell  

Dass er jetzt sogar Foto-Modell des Jahresthemas der Diakonie ist, freut ihn und seine Familie sehr: „Ich hoffe, dass ich damit einen bescheidenen Beitrag leisten konnte“, sagt er fast etwas verlegen. Im Übrigen wandelt er als Motiv auf den Spuren seiner Enkeltochter, die auch schon einmal für eine Werbekampagne fotografiert wurde. „Meine Enkelin ist mächtig stolz, dass ihr Opa jetzt auch bald überall zu sehen ist“.  

Text: Diakonie/Ulrike Pape
Foto: Diakonie

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